Sonntagsbrunch: Pfitzauf – popover

Es ist Sonntag. Die Sonne glitzert auf dem Schnee und es ist klirrend kalt. Drinnen hingegen ist es mollig warm. Das Haus duftet verführerisch nach frisch aufgebrühtem Kaffee und ein Hauch von frisch Gebackenem liegt in der Luft. Ein paar Kerzen brennen auf dem Tisch und beleuchten einen Strauß bunter Tulpen. Es klingelt und der Besuch für euren Sonntagsbrunch steht gut gelaunt vor der Tür. Alle setzen sich, in froher Erwartung des nun Kommenden.

Jetzt stellt euch vor, ihr öffnet den Ofen und bringt eine Form voller dampfender Köstlichkeiten auf den Tisch. Kleine Kuchen – wobei das Wort Kuchen dieses Gebäck nicht im Geringsten trifft. Wie Muffins sehen sie aus, der Teig ist aber ähnlich dem eines Pfannkuchens. Locker, leicht, Innen weich, Außen zart-blättrig. Auf dem heißen Pfitzauf schmilzt die Vanillesahne wie Schneeflocken auf der Zunge. Die leichte Säure der Kirschen harmoniert perfekt mit der Süße des Gebäcks und der Sahne. Jemand fragt „Warum ist der FI-Schalter draußen?“

Traditionelles schwäbisches Gebäck mit Dinkelmehl

Pfitzauf oder popover in einer Tonform gebacken – es klappt aber mindestens genau so gut in einer Muffinform.

Willkommen zurück in der Realität. Während ich diesen Text schreibe, werkeln hinter meinem Rücken zwei Männer an unseren Stromleitungen und geben kryptische Botschaften von sich. Mein Traum vom Pfitzauf-Brunch ist vorüber.

Dieses Rezept ist, neben Bohnen-Kartoffel-Pampe, eins der wenigen Rezepte, die der Mann mit sich gebracht hat. In seiner Familie als „Thüringische Aufläufe“ bekannt, musste ich lange im Internet suchen, bis ich auf den eigentlichen Namen stieß. Pfitzauf ist ein schwäbisches Gericht – wie es den Weg nach Thüringen geschafft hat, kann ich leider nicht sagen. Der Mann weiß es auch nicht.

Ein einfaches und schnelles Rezept von backdeinbrot

Der Mann mag sie so am liebsten: Mit Vanillesahne und Kirschen. 🙂

Für dieses Rezept habe ich auch extra eine passende Ton-Backform geschenkt bekommen. Bisher habe ich den Dreh aber noch nicht raus, mit dieser Form schöne Pitzauf zu backen. Ich muss wohl noch üben. 😉  Meine fallen noch in sich zusammen, wenn man sie aus dem Ofen nimmt.

Womit es auf jeden Fall klappt ist eine ordinäre Muffinform. Gerade nur für euch getestet. Ohne Brunch-Gäste. Die Elektriker waren auch schon wieder weg. Aber mein Licht geht wieder. 🙂

Dinkel Mehl Pfitzauf backen

Neue Fuhre, neues Glück. Dieser Pfitzauf ist nicht in sich zusammengefallen, dafür etwas zu braun für den Mann. 😉

Rezept

250 ml Milch
5 Eier
250 g Dinkelmehl Type 630
eine Prise Salz
1-2 EL Rohrohrzucker
(25 g Butter) (kann man aber auch weglassen)

Den Backofen auf 220 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Alle Zutaten für den Teig mischen. In gut gebutterte Muffinformen geben, aber nur zur Hälfte oder 3/4 füllen (9 sehr große Formen oder mind. ein Muffinblech). In den Ofen geben und ca. 20 Minuten backen. Niemals die Türe des Ofens öffnen, nur durchs Fenster den Bräunungsgrad beobachten und ggf. die Hitze ein wenig reduzieren. Dann aus dem Ofen nehmen und sofort mit Sahne und Kirschen oder anderen Früchten und Vanillesoße servieren.

Anmerkung: Nimmt man eine Tonform brauchen die Pfitzauf wesentlich länger. Meine waren 1 Stunde im Ofen und noch nicht ganz durch.
Die Pfitzauf sind von Haus aus eher neutral im Geschmack, darum sind die Beilagen relevant.

Der Name Pfitzauf (und auch der englische: popover) bezieht sich auf das Übergehen des Teigs, dieses in die Höhe gehen. Er pfitzt/popt über den Rand. 😉

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Annabelle

Liebt es in der Küche zu stehen, hat ein großes Herz (und einen großen Magen) für Kuchen, kocht aber auch sehr gerne (wegen des Magens, der nicht immer auf Kuchen steht ;)). Sonstiges: (Koch-)Bücher, Fotografie, Obst-& Gemüse-Anbau.

Kommentare (2)

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    Lisi

    |

    Witzig, das kenn ich auch! 😀
    Ebenfalls ein Rezept von der „Schwiegerfamilie“ 😉
    Mein Mann belatschert mich schon seit Tagen, wann es endlich mal wieder Pfitzauf gibt…
    Die machen den übrigens traditionell in stinknormalen Porzellan-Kaffeetassen. Ob das an dem allseits bekannten schwäbischen Sinn für Sparsamkeit liegt und man sich nichts extra anschaffen wollte, weiß ich allerdings nicht 😀

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      Annabelle

      |

      Wie lustig. 😀 Das mit den Kaffeetassen muss ich mal ausprobieren. Die könnten dann ja ganz einfach in die Spülmaschine und ich spar mir die Abwasch-Arbeit. 😉
      Liebe Grüße!

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